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Katsching-Magazin | Kantine
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Ganz schön kalt ist es hier vor der Tür. Freitagabend im Januar 2017, 23 Uhr, Club Kantine Ravensburg. Noch schnell gewartet, bis auch wirklich jeder fertig geraucht hat, stelle ich mich also in der Warteschlange vor dem Club an. Es scheint noch nicht viel los zu sein aber das wird sich später noch ändern. Wir, das sind Kathi, ich und die anderen, die ich kaum kenne scheinen aber ganz nett zu sein. Kaum beim Türsteher angekommen, werden wir natürlich nach unserem Ausweis gefragt. So ist das nun mal, wenn man selbst beim Erwerb eines Bieres noch nach dem Ausweis gefragt wird.

Sehen wir uns doch mal die Fakten an: Eintritt ist hier freitags ab 21 Jahren, samstags für Frauen ab 26 Jahren und Männer ab 28 Jahren. Das hat wahrscheinlich damit zu tun, dass die Clubbetreiber für die Leute um die 30 auch ein eigenes Ambiente schaffen wollen – und das eben immer samstags, obwohl, so Thomas Stippe (einer der drei Geschäftsführer der Kantine), die Einlasskontrolle samstags nicht streng ist. Frauen mit 24 Jahren zum Beispiel sollten auch problemlos den Club betreten können. >>

<< Apropos Ambiente: Das Gebäude der Kantine ist ein ehemaliges Gebäude der Bahn und diente früher als Güterbahnhof, welcher still gelegt wurde und somit funktionslos war. Stippe erwarb diese Halle ursprünglich, um die Außenbestuhlung im Winter seiner anderen Lokalitäten dort lagern zu können. Die Gedanken aber an ein Restaurant, existierten von Beginn an. So haben nach einer Weile die Umbauarbeiten daran begonnen. Mit handwerklichem Geschick hat er selbst das gesamte Restaurant ausgebaut, von jeder einzelnen Fliese bis hin zu den Fenstern. Diese große Güterhalle wurde mit Hilfe einer Mauer in zwei geteilt. Doch der hintere Raum, der heutige Club, war bis Dato nur als Mehrzweckraum gedacht.

„Das hat sich dann alles Stück für Stück so entwickelt“, sagt Stippe. „Da wurde dann mal hier und da eine Bar eingebaut“. Heißt: Da, wo man heute feiert, war einst ein Mehrzweckraum eines stillgelegten Güterbahnhofes.

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Zurück zum Anfang. An den Türstehern sind wir vorbeigekommen, jetzt nur noch den Eintritt zahlen. Heute sind es 7 €. Ganz schön viel finde ich, aber deswegen den Abend zu beenden wäre schlichtweg quatsch.

Im Hintergrund hört man Gepöbel an der Türe: Fünf junge Männer, schon sehr angetrunken, werden nicht in den Club gelassen. Gut so, denke ich mir und sehe nur, wie sie dann doch friedlich weiterziehen. Die Türsteher der Kantine sind vom Club selbst angestellt, in einer Art Vereinigung. Abgewiesen würde an der Türe eher selten jemand, außer das äußere Erscheinungsbild sticht durch eine Trainingshose heraus oder man hat schon zu viel Alkohol konsumiert. „Natürlich kann es auch mal sein“, so Stippe, „dass die Türsteher da draußen ihre Spielchen treiben, das versuchen wir aber zu unterbinden und wenn wir es doch merken, versuchen wir mit ihnen zu arbeiten, um klar zu zeigen, was gut ist und was nicht.“ Das ist natürlich meistens schwer, da die Geschäftsführer nicht immer selbst an der Tür stehen. Probleme gäbe es aber ansonsten eher seltener im Gegensatz zu früher, da wurden in der Vergangenheit noch viel mehr Lokalverbote ausgesprochen.

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Wir sind also drin. Von draußen schon hörte man die Musik, die hier drin laut dröhnt. Von meinem Interview heute Morgen mit Herrn Stippe weiß ich, dass jetzt eher kommerzielle Musik gespielt wird. Heißt quasi: Charts rauf und runter? So ähnlich, ja – aber in gut, finde ich. Einen interessanten Mix zu bekommen und gleichzeitig das zu treffen, was die Masse hören will, ist gar nicht so leicht, berichtete er mir. Wobei Elektromusik meist doch eher individuellere Besucher anlockt, welche ihren ganz eigenen Musikgeschmack mitbringen würden. Einmal im Monat leistet sich der Club einen bekannten DJ aus Deutschland, der dann richtig einheizen soll. Laut Stippe ist an diesen besonderen Events nochmal eine ganz andere Besuchergruppe anwesend als an normalen Abenden.  >>

<< Stimmungscheck aktiviert: Geht noch nicht viel. Eine coole Gruppe Jungs, deren enge Muskelshirts bald reißen (so meinen sie), ein paar Mädels in der anderen Ecke, die das ganz toll finden. Ein paar normale Leute und eben wir. Aber es sieht aus, als ob es sich langsam füllt. Da gönnt man sich doch erst mal etwas zu trinken.

Mein Lieblingssatz des Interviews heute Morgen war „Wenn die Mädels nicht mehr kommen, kannst du den Laden zu machen.“ Junge Frauen haben in Abendlokalen sowieso immer einen Vorteil. Man möchte eben, dass diese Besuchergruppe sich besonders wohl fühlt und gerne ihre Zeit auf der Tanzfläche mit Spaß verbringt, denn dies suggeriert eine gute Stimmung, das wiederum bei anderen Besuchern Interesse für diese Lokalität erzeugt. Die Besuchersituation in der Kantine kann eher mehr junge Frauen aufweisen, was eine sehr gute Prognose darstellen würde. Doch die Besucherzeiten schwanken natürlich auch von Zeit zu Zeit. Faktoren wie Messen, Faschingszeit und der Sommer mit seinen vielzähligen Freizeitmöglichkeiten spielen immer eine große Rolle.

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Heute aber wird es ganz schön voll und die Stimmung ist überragend. An die 500 Menschen Kapazität hat dieser Club, da werden schon circa 300 Leute benötigt, um überhaupt eine Stimmung zu erzeugen. In Ravensburg ist viel los. Alleine mit 2.400 Studenten an der DHBW Ravensburg und circa 3.266 Studierenden an der PH in Weingarten besteht in dieser Region immer Bedarf an Abendlokalitäten. Zum Thema Konkurrenz sagt Stippe: „Diese gibt es hier nicht wirklich. Es gibt schon andere Läden in der Stadt, aber diese haben nicht dieses Flair wie die Kantine in ihrer Backsteinoptik. Es sind einfach viele Faktoren, weswegen die Leute gerne hierher kommen.“

Heikles Thema natürlich, dennoch musste ich bei dem Stichwort #Konkurrenz an die letzten beiden Buttersäureanschläge im Club denken. Erklären kann sich das der Inhaber nur durch Neid oder Hass darauf, dass in seiner Lokalität immer viel los ist oder aus Wut eines Besuchers, welcher schon mal an der Türe abgewiesen wurde. Buttersäureangriffe sind eine feige Art einer Gewaltausübung. Dabei muss lediglich im Internet oder einer Apotheke eine kleine Menge davon erworben werden. Hierbei kann man sich sicher sein, dass ein solcher Anschlag die eintretende Wirkung garantiert und die Entfernung für den Geschädigten sehr, sehr schwierig ist. Man bemerkt einen Buttersäureangriff an einem fürchterlichen Geruch nach Erbrochenem und an Reizungen der Atemwege oder brennenden Augen. Eine solche Tat geschah letztes Jahr an der Außenfassade des Raucherbereiches. Der Täter hat sich dabei wenigstens noch so klug verhalten, sich zu vermummen und nicht in die Kamera zu blicken. Dennoch musste aufgrund dieser Anschläge nichts im Club verändert oder renoviert werden. Unabhängig davon sind in nächster Zeit keine weiteren Umbauarbeiten geplant, eventuell auf ein paar gestalterische Maßnahmen kann man gespannt sein. >>

<< Unter die Rubrik #Interessante Katsching Fakten fällt die Info, dass Stippe damals außerdem der Gründer des Club Douala hier in Ravensburg war. Die Namensgebung hat sich so ergeben, da der ehemalige Besitzer immer schon einmal in die afrikanische Hafenstadt Douala reisen wollte, dies aber auf seinen Reisen nach Afrika nie geschafft hatte – so hat er sich sein eigenes, kleines Douala mitten im Herzen des Schwabenländle geschaffen, das heute, nach 30 Jahren, immer noch besteht.

Und, hätten Sie’s gewusst? Unter der Kantine befindet sich eine eigene Skatehalle, welche leider der Öffentlichkeit nicht zugänglich ist, sondern vielmehr im privaten Besitz seine Dienste leistet.

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text: annika riemer
grafik: désirée keller